Rückseite Magazin » Blog. Veröffentlicht am Montag, 23. Juli 2012 um 20:35 Uhr

B-Seite: Die Popkolumne (1)
Vielleicht werde ich auch einfach alt

Aus musikalischer Sicht ist das Jahr 2012 bislang eher enttäuschend. Aber ein bisschen Zeit ist ja noch, in der sich das ändern kann. Gedanken eines Popmusikfans.

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Zum Glück hat man selbst bei mittelmäßigen Melt!-Ausgaben das unvergleichliche Ambiente

Zum Glück hat man selbst bei mittelmäßigen Melt!-Ausgaben das unvergleichliche Ambiente

In den ersten sechs Monaten des Jahres wurden mehr Alben verkauft, die vor mehr als 18 Monaten erschienen sind als solche, die neuer sind. (via Spiegel Online) Die Zahlen beschreiben zwar den amerikanischen Markt, aber ganz viel anders wird es in Deutschland wohl auch nicht sein. Letztlich sind die Verkaufszahlen an dieser Stelle ohnehin relativ egal, sie sind nur eine Randnotiz. Allerdings eine, die sehr gut zur These passt, dass das Jahr 2012 bislang musikalisch gesehen kein besonders gutes war. Zumindest nicht aus meiner persönlichen Sicht.

2011 hatte ein neues Bright Eyes-Album, den endgültigen Durchbruch Ja, Paniks zumindest in musikbegeisterten Kreisen, Auftritte von Britpop-Legenden wie Pulp auf dem Melt!-Festical und dazu weitere tolle neue und erste Alben von Bands wie The Pains of Being Pure at Heart, Yuck, Adolar, Locas in Love und und und. Dazu noch ganz persönliche Highlights wie die Konzerte von Deer Tick und Freunden in Toronto und dem Gig meiner 2010er-Lieblinge Titus Andronicus in Chicago.1

Und 2012? Bisher ist noch nicht viel passiert: Die Locas in Love haben ein neues Album herausgebracht, Nada Surf genauso (Letztere haben auf dem Phono Pop am Wochenende auch ein sehr gutes Set gespielt), ein paar andere ebenfalls. Kraftklub lieferten ein überzeugendes Debütalbum ab und standen zurecht zwischenzeitlich an der Spitze der Charts. Genauso wie Cro, dessen Debüt “Raop” das wohl beste deutschsprachige Album des bisherigen Jahres ist.

Und Konzerte? Habe ich dieses Jahr zwar schon einige gute gesehen, aber keines, das mich komplett hat ausflippen lassen, wie es 2011 mindestens fünf oder sechs Konzerte schafften. Selbst dem Melt!-Festival fehlten dieses Jahr die Highlights. Klar, Justice waren super, Schlachthofbronx auf der Strandbühne auch, und The Rapture und Two Door Cinema Club haben Spaß gemacht. Aber in ein paar Jahren werde ich mich nicht mehr so daran erinnern wie an den 2005er-Auftritt von Bright Eyes vs. The Faint oder eben den von Pulp im letzten Jahr.

Sagt, was ihr wollt: 2012 ist bisher kein gutes Musikjahr. Entweder das, oder ich werde alt.


A propos Melt!-Festival, übrigens. Kaum waren wir am Montag nach dem Festival wieder angekommen, ging es schon zum nächsten Konzert: Kimya Dawson, früher die Bandpartnerin vom ungleich erfolgreicheren, allerdings angeblich nur in Deutschland bekannten und in seiner New Yorker Heimat immer wieder mit Julian Casablancas (The Strokes) verwechselten Adam Green, spätestens seit dem Juno-Soundtrack auch als Solokünstlerin einigermaßen bekannt, spielte in der Frankfurter Brotfabrik. Und der Kontrast zwischen dem Elektro- und Rockfestival auf der einen, und dem Anti-Folk-Konzert auf der anderen Seite hätte kaum größer sein können: Bei ersterem wurde quasi ununterbrochen getanzt, bei letzterem saß ein Großteil der Zuschauer auf dem Boden, und selbst bei den Stehenden wurde, wenn überhaupt, ein kleines bisschen mitgewippt.

Schön war trotzdem beides. Aber eben nicht außergewöhnlich genug, um unvergesslich zu sein, siehe oben.


Aber mal schauen, vielleicht wird die zweite Hälfte des Jahres ja besser als die erste. Die ersten vielversprechenden Herbstkonzerte werfen zumindest ihren Schatten voraus: Deer Tick kommen im August nach Deutschland, Hey Rosetta! im November, Two Gallants ebenfalls und die Rapper Cro und Prinz Pi gehen auch jeweils auf Tour.

  1. Mehr Rückblick auf 2011 gibt es hier. []

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